Sicherheit beginnt zuhause – Selbstvorsorge in bewegten Zeiten
Warum krisenfeste Haushalte angesichts globaler Spannungen entscheidend sind

Der OÖ Zivilschutz informierte im Rahmen einer Pressekonferenz mit LR Michaela-Langer Weninger über aktuelle Themen, die Notwendigkeit der Krisenvorsorge und zog Bilanz über das vergangene Jahr.

Foto (Land OÖ, Margot Haag): OÖ Zivilschutz-Geschäftsführer Christian Kloibhofer, LRin Michaela Langer-Weninger und OÖ Zivilschutz-Präsident NR Bgm. Michael Hammer betonten bei der Pressekonferenz die Wichtigkeit des Zivilschutzverbandes und der Eigenvorsorge.

Die sicherheitspolitische Lage Europas hat sich grundlegend und dauerhaft verändert. Neu ist die Dichte und Gleichzeitigkeit der Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft konfrontiert ist. Egal ob längerer Stromausfall in Deutschland zu Beginn des Jahres, Angriffe im Nahen Osten – all diese Ereignisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer umfassenden Krisenvorsorge. Dabei hält LRin Michaela Langer-Weninger fest: „Wer vorsorgt, stärkt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. Denn Zivilschutz ist keine One-(Wo)man-Show. Es ist ein Zusammenspiel vieler Zahnräder: Behörden, Einsatzorganisationen, Gemeinden – und vor allem die Bürgerinnen und Bürger selbst. Wenn jedes einzelne Zahnrad greift, entsteht daraus ein starkes, verlässliches System.“

In Oberösterreich und Österreich gesamt, dürfen wir uns auf verlässliche, funktionierende Strukturen und eine hohe Sicherheit verlassen. Doch diese Sicherheit lebt auch davon, dass alle ihren Beitrag leisten. Vorbereitung im Alltag kann im Ernstfall viel Ruhe und Stabilität schaffen.

Oder anders gesagt: „Wer heute in haltbare Lebensmittel, Wasser, einen Notfall-Radio, Taschenlampe, Medikamente und Hygiene-Artikel investiert, sitzt morgen nicht hungrig, unvorbereitet und abgeschnitten von der Außenwelt im Dunkeln. Zivilschutz bedeutet daher nicht, das Schlimmste zu erwarten. Zivilschutz bedeutet, das Richtige zu tun – rechtzeitig, besonnen und gemeinsam. Und genau darum geht es heute“, hebt Katastrophenschutz-Landesrätin Langer-Weninger die Notwendigkeit hervor.

Das Wichtigste für alle Fälle
Zum krisenfesten Haushalt gehören neben einem ausreichenden Lebensmittelvorrat (Broschüre: Krisenfester Haushalt) für mindestens zehn, besser 14 Tagen auch:
•Licht, Koch- und Heizmöglichkeit
•Medikamente/Hygieneartikel
•Kommunikationsmittel (Notfallradio)
•Vorkehrungen für Abwasser und Abfall
•Notfallgepäck/Evakuierungsrucksack
•Familien-Notfallplan, (Vorkehrungen für Haustiere)
•Kenntnis der Zivilschutz-Sirenensignale/Notrufnummern, Erste Hilfe
•Bargeld
•Vorkehrungen für den Brandschutz

Gelebter Zivilschutz oberstes Gebot
Zivilschutz ist kein einzelner Schritt, sondern ein Weg. Wer seine Krisenfestigkeit stärkt, schaut nicht nur vorsichtig, sondern mit Zuversicht nach vorn. „Gut vorbereitet zu sein – sei es für Unwetter, Naturkatastrophen, einen atomaren Zwischenfall oder einen Blackout – kostet Zeit und Ressourcen, doch jede Minute lohnt sich. Denn die persönliche Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger bildet das Fundament für die Handlungsfähigkeit des gesamten Landes. Es verschafft den Behörden Luft, um ihre Funktion als verlässlicher Krisenmanager bestmöglich erfüllen zu können. In einer Welt voller globaler Unsicherheiten ist Selbstschutz keine Option, sondern ein notwendiger Anker, der uns auch in stürmischen Zeiten Halt gibt“, betont Langer-Weninger.

Erster Ansprechpartner in Sachen krisenfester Haushalt
Mehr als 5.000 Kundenkontakte verzeichnete der OÖ Zivilschutz im vergangenen Jahr. Die letzten Ereignisse haben die Telefone beim Zivilschutz wieder glühen lassen. Die Zivilschutz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten umfassend zur Vorsorge auf die Krisenszenarien. Basis ist immer der krisenfeste Haushalt: „Wenn mein Haushalt krisensicher ist, dann bin ich beruhigter. Panik führt zu falschen Handlungen, bei der Bevorratung beispielsweise dazu, dass aus einer Verzweiflungslage heraus zu viel oder falsche Produkte gekauft werden“, so Hammer.
Die Erfahrung der Zivilschutz-Expertise zeigt außerdem, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre bereits vorhandene Krisenvorsorge oft überschätzen. Bei der Notbeleuchtung setzen die Österreicherinnen und Österreicher gerne auf die – meist schon im Haushalt vorhandenen – Kerzen und übersehen dabei, dass sich die Brandgefahr dadurch stark erhöht. Der OÖ Zivilschutz sieht zudem Fehleinschätzungen seitens der Bevölkerung was das Schadensausmaß verschiedener Katastrophenfälle und damit die richtige Vorsorge betrifft.

Schwerpunkt Notfallplan
Besonders umfassend und hilfreich bei der Risikoanalyse und dem darauf aufbauenden krisenfesten Haushalt ist der Familien-Notfallplan des OÖ Zivilschutzes. Dieser wurde im vergangenen Jahr bereits 19.580 Mal ausgegeben. Neben wertvollen Informationen enthält er auch Checklisten, in denen Erreichbarkeiten und Notfallsammelpunkte eingetragen werden können. „Die Begeisterung der Bevölkerung und Organisationen für diesen Notfallplan lieferte auch wertvolle Erkenntnisse für unsere Außen-Kommunikation und Zivilschutz-Arbeit: wir stellten die Familie weiter in den Fokus und betonen so die Wichtigkeit des Krisenfesten Haushaltes. Mit dem Notfallplan erreichten wir neben den Bürgern und Einsatzorganisationen vermehrt auch Betriebe und krisenrelevante Organisationen, die sich von uns beraten lassen, damit ihre Mitarbeiter auch in Katastrophenfällen weiter ihrer wertvollen Arbeit nachgehen können.“, erklärt OÖ Zivilschutz-Präsident NR Bgm. Michael Hammer.
Insgesamt 77.814 Broschüren verteilte der OÖ Zivilschutz im vergangenen Jahr – die Themenvielfalt dabei ist groß und reicht von der Haushaltsapotheke bis zum Schutz vor Starkregen oder Akkubränden. Die Betriebs-Beratungen und Mitarbeiterschulungen zeigen auch, wie wichtig der OÖ Zivilschutz als Partner für die Behörden, Betriebe und Einsatzorganisationen ist. Im heurigen Jahr soll zusätzlich die Rolle des Verbandes als Berater bei Planspielen/ Übungen sowie Notfallplan-Erstellungen (Blackout) intensiviert werden, wo 2025 bereits einige erfolgreich absolviert wurden. Auch die Katastrophenschutz-Basisausbildung für Stabsmitglieder (13 Ausbildungen mit 342 erreichten Stabsmitgliedern im vergangenen Jahr) und die Unterweisungen der Grundwehrdiener (7 Workshops) zeigen die Wichtigkeit Arbeitsschwerpunktsetzung in diesem Bereich.

Veranstaltungen und Vorträge
Ein Schwerpunkt der Zivilschutz-Arbeit zur Bewusstseinsbildung liegt auf den Vorträgen und Veranstaltungen in den Gemeinden. An 41 großen Sicherheitsveranstaltungen und fünf Messen war der OÖ Zivilschutz im vergangenen Jahr beteiligt, mit den Vorträgen wurden 3.000 Bürgerinnen und Bürger erreicht. Auch heuer sind wieder einige Veranstaltungen geplant, unter anderem ein Bezirks-Zivilschutztag in Frankenburg (17. Mai), ein Zivilschutztag in Schörfling (27. Und 28. Juni), ein Sicherheitstag in Bad Goisern (4. Juli) und ein Bezirkszivilschutztag in St. Aegidi (6. September).

Vorbereitung der Kleinsten
Zivilschutz beginnt aber schon bei den Kleinsten, so findet jährlich in den Wintermonaten die Überprüfung der Kinderwarnwesten-Tragehäufigkeit in den ersten Klassen Volksschule statt. Die Bezirksergebnisse des Schuljahres 2025/2026 werden derzeit ausgewertet, 225 Klassen wurden dabei besucht. Ein weiteres Erfolgsprojekt ist die Zivilschutz-Kindersicherheitsolympiade, bei der, ebenso wie 2025, auch heuer wieder rund 3.500 Schüler teilnehmen. 15 Bezirksbewerbe werden ausgetragen, der Start ist am 24. März mit dem Bezirksbewerb Wels/Wels-Land. Die Sieger dürfen zum Landesfinale fahren, das am 3. Juni in Traun stattfinden wird. Der dortige Sieger vertritt Oberösterreich beim großen Bundesfinale in Wien.

Information im Katastrophenfall
Ein weiterer Schwerpunkt lag 2025 auf dem Zivilschutz-SMS, mit dem Bürger in Katastrophensituationen mit wichtigen Informationen und Verhaltensanweisungen versorgt werden können. Absender des Zivilschutz-SMS ist der Bürgermeister, der Info-Service ist für die Bevölkerung kostenlos. Das Zivilschutz-SMS ist das ideale Kommunikationsmittel für Gemeinden bei allen Katastrophen, Notsituationen und anderen besonderen Ereignissen. Das Info-System wird gut angenommen, die Rückmeldungen dazu sind äußerst positiv, es ist die ideale, regionale Ergänzung zum AT Alert. Eine Anmeldung ist unter www.zivilschutz-ooe.at möglich. 277 Gemeinden nutzten 2025 das Informationssystem. 73.984 SMS wurden im vergangenen Jahr versandt.

Veranstaltungsankündigung: Heuer findet zum fünften Mal der Landessicherheitstag für Schulen „DU bist wichtig“ statt. Rund 1.000 Schülern der 7. und 8. Schulstufe wird dabei die Wichtigkeit der Eigenvorsorge und des Selbstschutzes nähergebracht. Der Sicherheitstag findet heuer am 6. und 7. Juli am Areal des Landesfeuerwehrkommandos in Linz statt.
Beim Landessicherheitstag handelt sich um eine alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung des Netzwerkes für Sicherheit und Zivilschutz „Sicheres Oberösterreich“, dessen Drehscheibe der OÖ Zivilschutz ist, und gemeinsam mit der für Katastrophenschutz zuständigen Landesrätin den Vorsitz hat. Die im Netzwerk vertretenen Sicherheitsorganisationen präsentieren dabei ihre Arbeitsschwerpunkte und informieren Jugendliche über mögliche Gefahrensituationen und wie sie sich in Notfällen richtig verhalten.

Alle Broschüren (z.B.: Krisenfester Haushalt, Familien-Notfallplan, etc.) können kostenlos über zivilschutz-shop.at bestellt werden.